Das Motto der Kunstausstellung 2022 Kunst in bewegten Zeiten: Ich – du – wir & die Eine Welt
nimmt bewusst die Eine Welt als ein Themenfeld auf, das viele Kinder und Jugendliche „bewegt“.
Sie sorgen sich um die Zukunft des Planeten und setzen sich empathisch und engagiert für einen
veränderten Umgang mit endlichen Ressourcen ein. Gleichzeitig zeigen sich sowohl jüngere als auch
ältere Schüler:innen ausgesprochen betroffen von den unterschiedlichen Lebensbedingungen –
nicht nur von Gleichaltrigen, sondern von allen Menschen – sowohl in ihrer engsten Umgebung als
auch global in anderen Ländern der Erde. Dabei nehmen sie die ungleiche Verteilung von Gütern
und Entwicklungschancen, die Ungerechtigkeit z.B. zwischen arm und reich problembewusst wahr
und fragen sich, wie alle Menschen gut leben können und die Erde als unsere gemeinsame
Lebensgrundlage erhalten werden kann. Es berührt und bewegt die jungen Lernenden, dass
Menschen hungern, keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, keine gute Ausbildung und Arbeit
bekommen und wir immer wieder mit einem scheinbar unversöhnliches Neben- und Gegen-
einander verschiedener Länder mit kriegerischen Auseinandersetzungen konfrontiert sind. Damit
sind die Kernbotschaften nachhaltiger Entwicklung angesprochen, die durch die fünf „Ps“
gekennzeichnet sind und zentrale inhaltliche Schwerpunkte des Themas bilden:
– People
– Planet
– Prosperity
– Peace
– Partnership

Kunstkoordination: Thomas Holzbeck und Kerstin Pütz

Diese fünf Ps sind die handlungsleitenden Prinzipien der Agenda 2030 und umfassen alle
Maßnahmen, die die Würde des Menschen, den adäquaten Umgang mit der einen Erde, den
Wohlstand für alle Menschen auf der Welt, die Förderung des Friedens auf allen Ebenen des sozialen
und toleranten Miteinanders sowie die Zusammenarbeit mit anderen Menschen und Ländern auf
Augenhöhe in den Mittelpunkt der Beschäftigung rücken (Präambel der Agenda 2030 der Vereinten
Nationen zur nachhaltigen Entwicklung vom September 2015).
Das Mindmap auf Seite 1 zeigt einige exemplarische Möglichkeiten, um mit Lernenden unterschied-
licher Jahrgangsstufen und Schulformen in den Austausch zu kommen. Einige Zweige sind bewusst
freigelassen, um anzudeuten, dass es daneben natürlich noch viele andere Assoziationen und
kreative Umsetzungsformen geben kann.
Die inhaltliche Ausrichtung des Projektes knüpft bewusst an eine hochaktuelle Thematik im
Bildungsbereich an, die bedeutende gesellschaftliche Strömungen und Interessen junger Menschen
aufgreift und integriert wie z.B. die Fridays-for-Future-Bewegung oder die Chancen digitaler Medien
in einer zunehmend digitalisierten und globalisierten Welt. Vor dem Hintergrund des im
Oktober/November diesen Jahres stattfindenden Weltklimagipfels in Glasgow können die
Schüler:innen ihre Sichtweise und Perspektive in künstlerischer Form in die Öffentlichkeit bringen.
Gleichzeitig klingt im Ausstellungsmotto das dialogische Prinzip an, in dem der Philosoph Martin
Buber seiner Überzeugung Ausdruck verleiht, dass der Mensch nur am Du zum Ich werden kann. Mit
dem „ich – du – wir“ wird der Blick nicht nur auf das eigene Tun und Lassen, sondern ganz gezielt
auch auf den Mitmenschen direkt neben mir und die Begegnung mit ihm gelenkt. Neben der
ökologischen spielt damit auch die soziale Dimension eine wichtige Rolle. Dass mein eigenes
Handeln Auswirkungen auf das große Ganze hat, wird an vielen Stellen sichtbar. Die Förderung der
Bereitschaft und Fähigkeit zum Dialog kann außerdem zu mehr Toleranz und Akzeptanz von
Verschiedenheit sowie zum konstruktiven Miteinander in einem demokratischen Klima beitragen,
das in bewegten Zeiten besonders hilfreich ist.
In unseren bewegten Zeiten, in denen viele Veränderungen, gesellschaftliche Verwerfungen, Turbu-
lenzen sowie unterschiedliche Sichtweisen und Lebensstile deutlich werden, erhalten junge Men-
schen im Rahmen des Projektes die Möglichkeit, ihren Wahrnehmungen der Wirklichkeit, ihren
Vorstellungen und Ideen einer zukunftsfähigen Welt künstlerisch Ausdruck zu verleihen. Thematisch
und künstlerisch bieten sich zahlreiche Anknüpfungs- und Umsetzungsmöglichkeiten, sodass nieder-
schwellige Zugänge unterstützt werden. Als zusätzliche Inspirationsquelle kann außerdem der Index
für Inklusion dienen, der Curricula mit Themen für das 21. Jahrhundert enthält.
Wie sehr Kunst zu unserem Menschsein gehört, wie wichtig sie für uns als Resonanz- und
Spiegelungsfläche sowie als eine andere Form der Welterfahrung ist, haben wir während der
Pandemie deutlich gespürt. Die Kunst ist frei und lässt eine kreative und kritische Auseinander-
setzung mit verschiedenen Zukunftsperspektiven zu. Sie kann in diesem Sinne für die Wahrnehmung
ökologischer, politischer, wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhänge sensibilisieren und zur
aktiven, verantwortungsbewussten Mitgestaltung der Gesellschaft ermutigen. Mit dem Aus-
stellungsprojekt werden die Lernenden eingeladen, ihr eigenes Tun und Handeln zu reflektieren und
mit Fantasie und Lust die Zukunft neu zu denken und zu entwerfen.
Ziel des Projektes ist es einerseits zukunftsfähiges Denken und verantwortungsvolles Handeln von
jungen Lernenden zu fördern und andererseits in der engen Verknüpfung von Kunst und nach-
haltiger Entwicklung den Schüler:innen durch die Kunstausstellung eine organisierte Form anzu-
bieten, sich selbst als aktiv tätig und wirksam zu erleben. Neben individuellen künstlerischen
Umsetzungen sind auch Gemeinschaftskunstwerke erwünscht. Die künstlerischen Techniken
können frei gewählt werden.