Lindenschule

ICH HABE EINEN TRAUM …
Abstände und Distanz: Freundschaft in Zeiten von Corona
Projekt der Lindenschule
Künstlerische Begleitung: Laura Aydogan, Claudia Odermatt und Maire Pirttila

Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen der Lindenschule, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, haben sich intensiv mit den gravierenden Veränderungen ihres Schulalltages beschäftigt. Über das Medium der Kunst wurden die Lernenden angeregt, sich mit der aktuellen Situation durch die Pandemie auseinanderzusetzen und eigene Träume oder Wünsche zu entwickeln. In diesem kreativen Prozess sind interessante, ausdrucksstarke Bilder, Collagen und Skulpturen aus Naturmaterialien entstanden. Dabei kamen vielfältige Techniken, Farben und Materialien zum Einsatz.

Positive Energie strahlen die Collagen aus, die das Miteinander, die Nähe, das gegenseitige An-die-Hand-nehmen als Wunsch betonen und Hoffnung auf die gemeinsame Bewältigung der schwierigen Umstände machen, die durch das Gefühl des Alleinseins und die Trennung von Freunden gekennzeichnet sind.

In Gegenüberstellungen thematisieren die Schülerinnen und Schüler z.B. die Frage, wie sich Freundschaften verändert haben und was das Tragen des Mundschutzes für die Kommunikation gerade auch der Lernenden ohne Verbalsprache bedeutet.

Eine Lerngruppe stellte eine Corona-Ampel mittels Materialcollagen dar. Mit Fingerfarben bemalten sich die Schülerinnen und Schüler die Füße und stellten sich in dem neuen Abstand von 1,5m gegenüber. Auf einem anderen Bild liefen sie durcheinander, als Gegenüberstellung zu vorherigen Zeiten. Das Malen mit dem Körper ermöglicht den Lernenden ganzheitlich mit Farben emotional zu gestalten und so einen Zugang zum künstlerischen Gestalten zu erlangen.

Neben der gestalterischen Umsetzung entstand in der Berufsorientierungsstufe ein Mutmach-Gedicht, in dem die Klassengemeinschaft als Ort der Hoffnung, Begegnung und des Zusammenhaltes in schwierigen Zeiten dargestellt wird.

Sehr berührend sind auch die Werke der Schülerinnen und Schüler mit schweren Behinderungen, die durch die Technik der Farbschleuder und des Action Paintings ebenfalls am Projekt teilhaben. Tolle Farbexplosionen erinnern an eine Virenschleuder.

Hermann-Ehlers-Schule

TRÄUME – WÜNSCHE – HOFFNUNGEN
Projekt an der Hermann-Ehlers-Schule
Künstlerische Begleitung: Ariane Schmidtmann

Wovon träumt ihr? Was wünscht ihr euch? Welche Hoffnung hegt ihr?

So lautete in diesem Jahr die Fragestellung im Fach Kunst an die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9b und 9d der Hermann-Ehlers-Schule. Entstanden sind bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema rund 100 Plastiken, Collagen und Fotos.

Traumfigur sucht Geborgenheit

Zu Beginn des Projekts sollten die Schülerinnen und Schüler zunächst nur in Stichworten notieren, wovon sie träumen, was sie sich wünschen und was sie sich erhoffen. Bereits in den ersten Kunststunden zeigte sich, dass es in der jugendlichen Vorstellungswelt viele Gemeinsamkeiten gibt: den Wunsch nach einer intakten Familie, nach Gesundheit und nach Wohlstand teilten viele Teenager. Einige Schüler wünschen sich auch einen guten Schulabschluss, aber vor allem Freundschaften und eine Partnerschaft, die ewig halten solle – am liebsten ein ganzes Leben lang. Geborgenheit und Beständigkeit lassen sich damit ganz klar als feste Größen im imaginären Kosmos der Jugendlichen erkennen, die immer wieder zum Vorschein kamen. Hier und da durfte darüber hinaus natürlich auch der Wunsch nach dem Traumberuf, dem Traumauto oder der Traumfigur nicht fehlen.


Abheben über dem Abgrund

Noch spannender als die Wünsche und Hoffnungen sind vielleicht die Arbeiten zum Thema Alpträume. Auch dieser Herausforderung stellten sich die Schülerinnen und Schüler mit viel Engagement. Als häufige Motive kristallisierten sich der Sturz aus großer Höhe oder das Vermögen im Traum zu fliegen heraus.


Verborgene Welten

Die praktische Umsetzung der Frage- und Aufgabenstellung begann damit, dass die Lernenden zunächst Schuhkartons komplett schwarz lackierten. In den einzelnen Kartons kreierten sie dann ihre eigene Traumwelt. Die Betrachter bekommen nur durch ein kleines Loch im Deckel Einsicht in diesen verborgenen Kosmos: Träume, Wünsche und Hoffnungen sind etwas sehr Persönliches – da waren sich alle einig. Etwas, das man nicht mit jedem ungeschützt teilen möchte. Deswegen wird durch das Guckloch auch nur ein kleiner Bereich dieser sehr privaten Welt sichtbar.

Verlassene Kartons

Aufgrund des erneuten Lockdowns im Dezember war es leider vielen Schülerinnen und Schülern nicht möglich, ihren angefangenen Karton fertigzustellen. Aus der Not heraus kam der Gedanke auf, das Projekt über die Kartons hinaus zu erweitern und Hoffnungsmaschinen zu montieren und zu collagieren. Die Schülerinnen und Schüler konstruierten aus Darstellungen von Zahnrädern, Rohren und Federn eine Kernmaschine, um dann mit Hilfe von ausgewählten Bildern aus Zeitschriften und Zeichnungen ihr Produkt aus Träumen, Wünschen und Hoffnungen zu erschaffen.


Digitale Spielerei

Schließlich haben die Lernenden mit ihrer Kunstlehrerin den viel bemühten Slogan von der Digitalisierung der Schulen auf ihre Weise interpretiert: Sie fotografierten die Exponate und druckten sie großformatig aus. Das hat zum einen den Vorteil, dass sie jederzeit ohne großen Aufwand ausgestellt werden können und erlaubt zum anderen mit den Formaten zu spielen. Bei den letzten Arbeitsschritten haben die Fotografin Ludmila Lorenz sowie die Journalistin Gabriella Vitiello professionell unterstützt.

Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule

(NO) CONTROL?!
Projekt der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule
Künstlerische Begleitung: Evs Zackl, Eva Moore und Silke Tübbecke

Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 1 bis 12 der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung, haben ihre Empfindungen zum veränderten Alltag unter den Maßnahmen der Corona-Pandemie durch die Anwendung von Zufallsverfahren zum Ausdruck gebracht. Bekannte und Orientierung bietende Strukturen lösen sich auf und sorgen nicht nur bei den Lernenden für Verunsicherung. In ihrem Kunstprojekt thematisieren die Lernenden unter sensibler Anleitung ihrer Lehrkräfte das allmähliche Entgleiten der Kontrolle.

Mit dem Einsatz der Techniken des Fluid und Action Paintings sowie der Tropfen- und Nass-in-Nass-Malerei sind großartige Bilder mit hoher Tiefenwirkung entstanden. Aus zunächst scheinbarer Strukturlosigkeit und dem Loslassen-Müssen im Gestaltungsprozess entsteht etwas Neues, Überraschendes und ausgesprochen Ästhetisches. Die Arbeit mit Zufallsverfahren unterstützt die Offenheit für Unbekanntes, die Freiheit für Noch-Nie-Dagewesenes und die Fähigkeit zur Improvisation. Und all dies können wir gut gebrauchen, um mit der gesellschaftlichen und persönlichen Ausnahmesituation leichter umgehen zu können.

Brüder-Grimm-Schule

BLICK AUS DEM FENSTER
Projekt der Brüder-Grimm-Schule
Künstlerische Begleitung: Katharina Wiebe und Hümeyra Akpinar

Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 4 der Brüder-Grimm-Schule in Mainz-Kostheim haben sich während des Lockdowns damit beschäftigt, was sie bei einem Blick aus ihrem Fenster sehen. Die Aufgabe wurde mit Buntstiften umgesetzt, da die Lernenden diese auch Zuhause nutzen konnten. Anhand einer Auswahl von Bildern zum Motiv „Blick aus dem Fenster“ oder Landschaft wird ihnen ein kunstgeschichtlicher Einblick gewährt. In einer Onlinekonferenz mit den Kindern ging es um Malweisen, Titel von Bildern und zeitliche Strömungen der unterschiedlichen Kunstrichtungen. Wer die Aussicht aus seinem Fenster nicht mochte, durfte eine Aussicht malen, die sie oder er gerne sehen würde. Dabei sind berührende Bilder entstanden, die Einblick in die Befindlichkeiten, Realitäten, Hoffnungen und Wünsche der Kinder geben.

EIN-LINIEN-BILD
Projekt der Brüder-Grimm-Schule
Künstlerische Begleitung: Katharina Wiebe und Hümeyra Akpinar

Ebenfalls in der Jahrgangsstufe 4 wurde das Ein-Linien-Bild erprobt. Viele Künstler, darunter Klee und Picasso, haben sich daran versucht: Es wird mit einer Linie gezeichnet ohne abzusetzen. Mit Übung lassen sich dann alle möglichen Dinge zeichnen. Nicht alle Kinder trauen sich, ohne abzusetzen zu zeichnen, weil es beim Malen mit einer Linie zu vielen Überschneidungen kommt. Bei einigen Schülerinnen und Schülern sind faszinierende Bilder entstanden. Sehr eindrücklich ist das gezeigte Porträt.

Darüber hinaus sind in den Jahrgangstufen 1 und 2 imposante, farbintensive, sprühende Bilder zu zwei inspirierenden Bilderbüchern entstanden, die in der Ausstellung bewundert werden können. Zum einen wurde zu dem Baum in Speckt von Oliver Jeffers gearbeitet sowie zu dem Buch von Eva Heller über die wahre Geschichte der Farben, in dem die Farben sich begegnen.