Leopold-Bausinger-Schule in Geisenheim


Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen

Thema: Genitalmandalas

Künstlerische Begleitung: Frau Nicole Nicolai und Frau Marta Santiago

Die Auseinandersetzung mit weiblichen und männlichen Genitalien ist nicht nur ein wichtiges Bildungsanliegen, sondern auch ein Weg zur Selbstfindung und künstlerischen Reflexion. Sie hilft, Scham abzubauen, Wissen zu vertiefen und gesellschaftliche Normen kritisch zu hinterfragen. Kunst kann dabei ein Ausdrucksmittel sein, um diese Themen auf kreative, reflektierte und manchmal auch provokante Weise zu verarbeiten.

Das Wissen über den eigenen Körper und den anderer ist essenziell für eine gesunde Entwicklung, um Fehlinformationen und Tabus zu reduzieren, die oft zu Unsicherheiten führen.

Im künstlerischen und gesellschaftlichen Bereich konnten sich die Jugendlichen durch die Gestaltung der Genitalmandalas mit der Vielfalt der Körper auseinandersetzen, Normen hinterfragen und ihre eigene Identität reflektieren. Durch die farbliche Gestaltung der Genitalmandalas hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Gefühle zu diesem Thema auszudrücken. Dies half ihnen, sich emotional mit der Thematik auseinanderzusetzen und eine intensivere Bearbeitung zu ermöglichen.

Im schulischen Alltag fiel auf, dass die Jugendlichen häufig eine sexualisierte Sprache verwendeten. Außerdem tauchten im Gebäude und am Mobiliar immer wieder Genitalabbildungen auf. Dies war Anlass für uns Lehrkräfte, dieses Thema in der Berufsorientierungsstufe fächerübergreifend aufzunehmen und zu bearbeiten.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit Themen der körperlichen Entwicklung in der Pubertät stellt für Schülerinnen und Schüler an einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen einen besonders wertvollen Lernzugang dar. Durch die symbolische Darstellung, die an anatomische Formen angelehnt ist, konnten die Lernenden auf einer gestalterischen Ebene über ihren eigenen Körper, über Geschlechtszugehörigkeit sowie über Identität ins Nachdenken kommen. Die künstlerische Ausgestaltung wurde von den Lernenden selbstbestimmt aufgegriffen und berücksichtigte das Prinzip der Freiwilligkeit, sodass in der ästhetischen Praxis die persönlichen Grenzen jedes Einzelnen gewahrt wurden.

Das Angebot eröffnete den Jugendlichen einen emotional entlasteten Zugang, wodurch Unsicherheiten abgebaut und Hemmschwellen überwunden werden konnten. Über die symbolische und abstrahierte Form eines Mandalas wurde Distanz geschaffen, die den Einstieg in das Themenfeld der Sexualität im Rahmen des Sexualkundeunterrichts erleichterte und unterstützte. Hinter der individuellen und sorgfältigen Gestaltung der Mandalas mit einer jeweils ganz eigenen Farbauswahl werden neben der intensiv-kreativen Beschäftigung der Lernenden mit Männlichkeit, Weiblichkeit und der eigenen Identität auch die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Lernenden sichtbar. Gerade in der Pubertät mit ihrer hohen Verletzlichkeit der Individuen kann Kunst einen geschützten Raum eröffnen, in dem diese sensiblen Themen nicht nur sprachlich, sondern auch gestalterisch zum Ausdruck gebracht und Vielfalt auf ausgesprochen wirksame Weise wertgeschätzt werden kann.

Insgesamt trägt die künstlerische Bearbeitung im Fach Kunst dazu bei, Körperwissen aus dem Biologieunterricht zu vertiefen, Selbstbewusstsein zu fördern und einen respektvollen Umgang mit der Geschlechtlichkeit zu entwickeln. Damit erfüllt das Kunstprojekt eine wichtige pädagogische Funktion: Indem die gestalteten Werke präsentiert werden, erfahren die Schülerinnen und Schüler eine besondere Form der Anerkennung. Ihre künstlerische Arbeit wird ernst genommen und erhält einen festen Platz im gemeinsamen Lernraum Schule. Durch diese Resonanz konnten die Schülerinnen und Schüler Selbstwirksamkeit erfahren, was ihr Selbstbewusstsein nachhaltig gestärkt hat.

Darüber hinaus fördert die Ausstellung der Bilder sowohl vor Ort in der Schule als auch im Pädagogischen Haus das Gemeinschaftsgefühl. Die Schülerinnen und Schüler erleben, dass durch ihre individuell gestalteten Werke Vielfalt ausdrücklich erwünscht ist. Dies leistet einen wichtigen Beitrag, um gegenseitigen Respekt aufzubauen und die Akzeptanz verschiedener Formen von Körperwahrnehmung und Geschlechtsidentität zu fördern.

Textliche Bearbeitung und Ergänzung: Kerstin Pütz, Dr. Thomas Holzbeck (Studienseminar Wiesbaden)

Weitere Informationen können Sie gerne der schulischen Homepage unter folgendem Link entnehmen: https://www.leopold-bausinger-schule.de/